Blockchain: Unchained
Gestaltung einer spielerischen Ausstellung zu DAOs, Blockchain und dezentraler Zukunft im MAK Wien.

Neue Werkzeuge für die Demokratie
Blockchain:Unchained, Neue Werkzeuge für die Demokratie lädt Sie ein, Designstrategien und neue Technologien als Instrumente demokratischer Teilhabe interaktiv und spielerisch zu erkunden und zu erproben.
Als Designkollektiv Gemeinde-Bau (Katja-Anna Krug, Max Kure, Leo Mühlfeld, Anton Posch) zeigen wir, wie sich Blockchain-Technologie und dezentrale autonome Organisationen (DAOs) in verschiedensten Bereichen anwenden lassen – ob in privaten Wohngemeinschaften, für die öffentliche Nutzung eines Museumsgartens oder als Instrument für offenen Diskurs.
Die Ausstellung nutzt interaktive Elemente und visuelles Storytelling, um ein neues Verständnis für die Gestaltung demokratischer Entscheidungsprozesse zu fördern und komplexe Themen wie Blockchain und DAOs zugänglich und greifbar zu machen. Im Zentrum steht die Frage, wie digitale Instrumente genutzt werden können, um Partizipation in Museen – insbesondere im MAK – und darüber hinaus zu aktivieren. Besucher·innen sind eingeladen, gemeinsam Ideen für dezentrale Co-Kreation zu entwickeln, mit spekulativen Ansätzen zu experimentieren und Chancen wie Herausforderungen digitaler Instrumente zu diskutieren.

Gestaltung eines Spielplatzes
Bei der Gestaltung der Ausstellung teilten wir den Raum in Stationen auf, die konzeptuell aufeinander aufbauen. Die Reise beginnt mit der Kontextualisierung von DAOs und Blockchain als eines von vielen »Werkzeugen für die Demokratie« – neben Innovationen wie der Druckerpresse, Protesten und dem Internet. Während die Besucher·innen voranschreiten, sind sie eingeladen, interaktiv zu erkunden, ob und wie dieses Instrument in demokratischen Prozessen nützlich – oder sogar revolutionär – sein kann. Dafür entwickelten wir drei interaktive Stationen…
1. Smart Contracts
Die erste Station »Smart Contracts« schlägt eine Brücke zwischen demokratischen Prozessen und DAOs (dezentralen autonomen Organisationen). Dafür griffen wir auf einen demokratischen Prozess zurück, der privat stattfindet und allen in irgendeiner Form vertraut ist: die Verwaltung des eigenen Zuhauses. Die Besucher·innen finden sich in einem nachgestellten »Wohnzimmer« wieder. Umgeben von Pflanzen, gemütlichen Kissen und einem Sofa führt ein Tablet auf dem Couchtisch in das Konzept der Smart Contracts ein – codebasierte Vereinbarungen auf der Blockchain, die vordefinierte Aktionen (WENN, DANN) automatisch ausführen, sobald Bedingungen erfüllt sind.
Besucher·innen sind eingeladen, den Kauf neuer Möbel für die fiktive Wohnung vorzuschlagen. Eine eigens entwickelte KI-gestützte Anwendung simuliert einen Abstimmungsprozess mit fünf virtuellen Mitbewohner·innen unter Berücksichtigung vordefinierter Bedingungen. Die Ergebnisse der Abstimmung werden visuell ansprechend auf dem Fernseher des Wohnzimmers angezeigt.
2. Vote on the Blockchain
Aufbauend auf dem Wissen der ersten Station rückt nun die zugrunde liegende Blockchain-Technologie in den Fokus. Uns war wichtig, ein Abstimmungsszenario zu schaffen, das auf einem realen Kontext basiert. Dies bringt natürlich komplexe Fragen von Verantwortung und Rechenschaftspflicht mit sich, was uns zur folgenden Kooperation mit dem MAK führte.
Drei Vorschläge für die Nutzung des MAK-Gartens – eines halböffentlichen Außenraums, der von drei Stakeholdern gemeinsam verwaltet wird – wurden vorab auf Machbarkeit geprüft und an dieser interaktiven Station als Optionen präsentiert. Besucher·innen stehen auf Kunstrasen, um die Außenumgebung zu simulieren, und müssen sich mit einer anderen Person zusammenschließen, um am Entscheidungsprozess teilzunehmen.

Einmal gepaart, positionieren sich die Teilnehmer·innen an zwei separaten Tablets. Gemeinsam wählen sie eine der drei Optionen aus und loggen sich ein. Person A erhält die Aufgabe, ein zufällig generiertes Muster an Person B zu kommunizieren. Ohne die Bildschirme der anderen sehen zu können, muss Person B das Muster nachbilden. Stimmt das nachgebildete Muster mit dem Original überein, wird die Stimme gezählt!

Dieses Spiel dient als stark abstrahierte Demonstration der Funktionsweise eines Hash – einer einzigartigen Prüfsumme. Damit eine Änderung validiert wird, muss der Hash über mehrere Instanzen (über 50%) verifiziert werden. Als räumliches Element sind zwei massive Spiegelwände positioniert, die die beiden »Blöcke« der »Blockchain« ins Unendliche reflektieren und das Gefühl eines vernetzten und weitläufigen Systems erzeugen.
3. Plenum
Mit einem grundlegenden Verständnis von DAOs und Blockchain sind Besucher·innen nun eingeladen, an einer Plenumsdiskussion über potenzielle Anwendungen, Vorteile und Nachteile dieser Technologie teilzunehmen. Eine »Wortwand« dient als Gesprächseinstieg mit über 6.000 Buchstaben, die bis zu 300 Wörter preisgeben. Diese Wörter reichen von direkt blockchain-bezogenen bis hin zu solchen, die auf den ersten Blick unzusammenhängend erscheinen mögen.

Während Workshops oder Führungen soll der gemeinschaftliche Prozess des Wörterentdeckens sinnvolle Diskurse anstoßen. Dieser Raumbereich ist mit dem einzigen greifbaren Artefakt der Ausstellung ausgestattet: frei arrangierbaren Sitzblöcken des Designers Ettore Sottsass, die Flexibilität und Kreativität in Gruppendiskussionen fördern.

Illustrationen
Die interaktive Erfahrung wird durch durchdacht gestaltete Illustrationen und Grafiken an den Wänden ergänzt. Diese Visualisierungen bieten einen zugänglichen Überblick über die behandelten Themen in kaskadierenden Detailgraden. Sie erklären beispielsweise Abstimmungsmechanismen und die Rolle von Token und ziehen spielerische Verbindungen – etwa wie Dominosteine mit der Blockchain zusammenhängen.
Zusätzlich stellt die Ausstellung bestehende DAOs vor und zeigt einige ihrer realen Auswirkungen auf, einschließlich der humorvollen Ergebnisse, wenn man das Internet ein Boot benennen lässt.[1]


Was ist der Haken?
Im sogenannten »Raum im Raum«, wo sowohl Decke als auch Boden verspiegelt sind, erzeugt die sich verändernde Unendlichkeitsachse ein beunruhigendes Gefühl, da weder ein klarer Boden noch eine Decke sichtbar sind. Hier werden kritische Perspektiven und Probleme der Blockchain-Technologie visuell präsentiert. Dieser immersive Raum hebt nicht nur die Grenzen und Herausforderungen der Technologie hervor, sondern plädiert auch für eine widerstandsfähige und robuste Demokratie.
Starke Demokratie
Heute mehr denn je ist es wesentlich, demokratische Bildung zu fördern und Bürger·innen zu befähigen, in starken und widerstandsfähigen Demokratien zu gedeihen. Gemeinsam mit dem MAK wollten wir einen kleinen Beitrag leisten, indem wir DAOs und Blockchain als Werkzeuge für die Demokratie kontextualisieren.
Unser Ziel war nicht nur eine sachliche Übersicht zu bieten, sondern einen Raum zu schaffen, in dem Besucher·innen informelle Diskussionen führen, Ideen austauschen und nachdenklich verweilen können. Wir hoffen, dass uns das gelungen ist.
Für weitere Informationen und Tickets besuchen Sie mak.at/blockchain.

Credits
Konzept und Gestaltung: Katja-Anna Krug, Max Kure, Leo Mühlfeld, Anton Posch (Designkollektiv Gemeinde-Bau)
Kuratorin: Marlies Wirth, Kuratorin Digitale Kultur, Kuratorin Sammlung Design Assistenz: Felix Kofler, Sammlung Design
Vermittlungskonzept: Janina Falkner und Laura Pirgie, Vermittlung
2016 führte das British Natural Environment Research Council (NERC) eine öffentliche Abstimmung zur Benennung eines Forschungsschiffs durch. Obwohl »Boaty McBoatface« gewann, hielten die Behörden den Namen für unpassend und benannten das Hauptschiff Sir David Attenborough – der humorvolle Name wurde einem autonomen Rettungsboot zugewiesen. New York Times ↩︎