Renunciation Rebellion
Entwicklung performativer Rituale für eine fiktive konsumkritische Religion als designbasierte Kapitalismus-Analyse.
Public Relations
Sigmund Freud vertrat die These, dass der Mensch seinen innersten Trieben unterworfen und zu dauerhaft rationalem Handeln unfähig ist. Sein Neffe Edward Bernays faszinierte diese These – er konstruierte Kommunikationspraktiken, die als Public Relations bekannt wurden. Durch die Verknüpfung von Produkten mit unserer Identität begannen wir, diese zu verehren.
Kapitalismus als Religion
Anstatt sich Religionen zu widmen, widmeten sich die Menschen dem Konsum. Diese neue Form von Religion wurde zu einer der wichtigsten Säulen der Gesellschaft. Zunehmende soziale Probleme und der Klimawandel entlarven dieses Modell jedoch als nicht nachhaltig und bringen eine desozialisisierte und egoistische Gesellschaft zum Vorschein. Wie werden Menschen in einer nachhaltigen Welt von morgen ihren inneren Frieden finden?

Gestaltung einer Performance
Da Designer·innen des 21. Jahrhunderts nicht einfach still am Schreibtisch arbeiten können, sondern stets die Konfrontation mit Aktivitäten außerhalb ihrer Komfortzone suchen müssen, gestalteten wir eine Performance und die nötigen Requisiten. Die Performance entstand in Zusammenarbeit mit dem Angewandte Performance Lab.
Wir gestalteten und produzierten vier Kostüme. Zusätzlich bogen und schweißten wir Stahlrohre zu Ringen, die zerlegbar waren. Für den entstandenen transportablen »Altar« schneiderten wir auch eine Stoffhülle, die die Stahlkonstruktion wie ein Wurmloch aussehen ließ, wenn sie darüber gespannt wurde. Mit Hilfe eines Arduino und einer DMX-Schaltung programmierten wir eine Lichtshow. Die Stromversorgung übernahmen eine Autobatterie und ein Wechselrichter.





Die Handlung
Die entstandene Performance zeigt den Übergangsritus der Verzichtsrebellion – eine Antithese zur Religion des Konsumismus. Im Verlauf der Handlung erlebt der Protagonist einen persönlichen Aufstieg inmitten der Gemeinschaft. Das Tagebuch des Aufsteigenden wird verbrannt. Im folgenden Ritual beichtet der Aufsteigende seine Sünden und wäscht sie ab. Schließlich erhält er das zeremonielle Gewand, schreitet durch das Portal des Verzichts und setzt die asketische Kopfbedeckung auf. Er wird nun als gleichberechtigtes Mitglied wahrgenommen. Die finale Performance können Sie am Anfang dieser Seite ansehen.

Credits
Dieses Projekt entstand von Julia Hahnl, Stefan Schönauer und Mia Tešić. Projekt in Zusammenarbeit mit dem Angewandte Performance Lab.

