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Die Faszination der Wissenschaft an den Grenzen der Forschung in einen Film übersetzen, der ein breites Publikum erreicht.

Fünfzehn Jahre im Tal
Wenn die Forscher·innen der Barton Group am Institute of Science and Technology Austria (ISTA) jedes Jahr ihre Koffer für die Region Andorra packen, kehren sie zu etwas zurück, das einem Ritual nahekommt. Seit über fünfzehn Jahren reisen Nick Barton und sein Team an die spanisch-französische Grenze, um fast jedes einzelne Löwenmaul zu finden, zu markieren und zu dokumentieren, das dort wächst. Sie verfolgen etwas, das sie wirklich fasziniert. Die Population birgt Antworten auf tiefe Fragen darüber, wie Arten entstehen, wie Gene durch Generationen wandern und warum Lebewesen so aussehen, wie sie aussehen.
Das Löwenmaul
Das Löwenmaul — auch bekannt als Antirrhinum — ist kein offensichtlicher Kandidat für wissenschaftliche Obsession. Seine Blüten sind vor allem dafür bekannt, wie sie beim Zusammendrücken »aufschnappen« — ein kleiner theatralischer Trick, der Generationen von Kindern verzaubert hat. Doch die Population in Andorra birgt etwas Selteneres: einen kontinuierlichen Farbverlauf quer durch die Landschaft, von flammendem Gelb im Westen bis zu tiefem Magenta im Osten. In der Zone dazwischen bemalen Hybrid-Exemplare die Hügel in Weiß, Orange und komplexen mehrfarbigen Mustern.

Für eine Genetikerin ist dieser Gradient eine Landkarte. Jede Farbe ist der sichtbare Ausdruck spezifischer DNA-Fragmente — sogenannte SNPs —, die über Generationen konkurrieren und kooperieren. Durch das Verfolgen einzelner Pflanzen und die Analyse ihrer Gene über Jahre konnte die Barton Group diese Karte lesen: Sie identifizierte, welche Sequenzen welche Farben steuern und was die langsame Wanderung dieser Farben durch das Tal über die Mechanismen der Vererbung verrät.
Was die Wissenschaftler·innen in diesem Tal empfinden: das Gefühl, dass etwas wirklich Wichtiges vor aller Augen verborgen liegt und darauf wartet, verstanden zu werden. Das ist nicht leicht zu vermitteln. Ihr wichtigstes Werkzeug ist eine Tabelle. Ihr dramatischster Output ein Stammbaum.
Wissenschaft vermitteln
Der Auftrag war nicht einfach, die Forschung zu erklären. Es ging darum, eine Wahrnehmungslücke zu schließen — Besucher·innen einer Wissenschaftsausstellung zumindest kurz spüren zu lassen, wie es ist, fünfzehn Jahre lang leidenschaftlich an einer Blume zu forschen.

Solche Arbeit wird leicht als trocken missverstanden. Datenreihen, Feldnotizen, Gensequenzen. Die gestalterische Herausforderung war es, die visuelle und räumliche Sprache zu finden, die die Daten selbst nicht liefern können: das Gefühl für Größenordnungen, das Empfinden für Muster, die aus dem Rauschen entstehen, den Moment, in dem sich Jahre akribischer Dokumentation plötzlich zu etwas auflösen, was man sehen und spüren kann.
Daten fühlbar machen
Um diese Erfahrung zu schaffen, arbeiteten wir mit Archivmaterial von den Feldexpeditionen der Barton Group, maßgeschneiderten 3D-Scans der Blüten und Datenvisualisierungen, die zwischen getreuer Darstellung und bewusster künstlerischer Interpretation wechselten. Jede Entscheidung folgte einer einzigen Frage: Hilft das den Betrachter·innen, die Bedeutung dessen zu spüren, was sie sehen?
Die Animation bewegt sich im Rhythmus der Forschung selbst — sie umkreist die Landschaft auf Makroebene, zoomt dann in einzelne Blüten und die Datenpunkte um sie herum und zieht sich wieder zurück, um die Population als Ganzes zu zeigen. Es ist dieselbe Bewegung, die Wissenschaftler·innen machen: zwischen dem einzelnen Exemplar und dem Muster, zu dem es gehört, zwischen dem Nahen und dem Weiten.

Credits
Realisiert für und mit Process Studio
In Zusammenarbeit mit Stefan Schönauer.
