Valley of the Hear t's Delight
Set Design und Glasstrukturen für Felix Lenz Videoinstallation bei der Triennale Milano 2025.

Kontext
Für den österreichischen Pavillon der Triennale di Milano 2025 entwickelte ich gemeinsam mit dem Künstler Felix Lenz die räumliche und technische Umsetzung seiner 3-Kanal-Videoinstallation »The Valley of the Heart's Delight«. Meine Aufgaben umfassten das räumliche Konzept und Set Design für den Dreh zusammen mit Miriam Daxl, die Mitgestaltung einer maßgefertigten Glaswandstruktur sowie die Entwicklung eines speziellen Mediensteuerungssystems zur Synchronisation der drei Videokanäle.
Brute Force
Die zentrale Videoarbeit entsteht aus dem 30-minütigen Essayfilm »Brute Force [Exhibition Cut]« von Felix Lenz und untersucht die physischen Auswirkungen digitaler Technologien auf die Landschaft rund um das Santa Clara Valley – einst ein vielfältiges Ökosystem, heute vor allem als südlicher Teil des Silicon Valley bekannt.

Moderne Technologien hinterlassen ihre Spuren nicht nur in sozialen und politischen Bereichen, sondern haben sehr konkrete Auswirkungen auf die physischen Räume, die wir bewohnen. Wissensextraktivismus ist Teil einer viel umfassenderen Krise, die sowohl Informationskapital als auch natürliche Ressourcen verstärkt ausbeutet. Das Silicon Valley und Seltene-Erden-Minen rund um den Globus sind Landschaften, die vor ihrer Aneignung im Einklang mit den Menschen existierten, die sie bewohnten. Heute sind sie größtenteils ihrer indigenen Bedeutung beraubt und zu statischen Lagerstätten oder Entwicklungsstandorten für Firmenzentralen reduziert. Diese Belagerung natürlicher Räume ist symptomatisch für die katastrophalen Machtungleichgewichte, die digitalen Informationstechnologiesystemen innewohnen.
Set Design
Für das Projekt analysierten wir in enger Zusammenarbeit mit Miriam Daxl und Felix Lenz den Boden des Santa Clara Valley, um – mit Hilfe von Selma Mühlbauer – ein Substrat zu entwickeln, das die historische Erde dieser Region vermittelt. Die künstliche Natur dieses Boden-Duplikats unterstreicht das Gefühl der Simulation, das in der heiteren und sterilen Ästhetik der Technologie sehr präsent ist.
Die verwendeten Komponenten für den Boden orientieren sich an den Grundbestandteilen von Muschelanhäufungen, die stark mit der Geschichte der Bay Area verbunden sind. Nach ausführlicher Recherche zur natürlichen Materialmischung und vielen Iterationen unseres DIY-Bodens produzierten wir zunächst einen Quadratmeter des Materials, um es am Set hochzuskalieren und auf speziell entworfene Bühnenelemente aufzubringen. Für den finalen Look ergänzten wir grobe Steine und Muscheln.

In enger Zusammenarbeit mit der Firma »Wunderwerk« konnten wir die vielschichtige Matrix dieses Substrats mit einer am Roboterarm montierten Kamera erfassen. Die geschmeidige und orchestrierte Bewegung der Kamera über den Boden unterstreicht den Kontrast zwischen dem Chaos natürlicher Systeme mit ihrer inhärenten Entropie und den techtopischen Idealen vermeintlicher Perfektion. Auf dem mit Erde versehenen Bühnenelement wird der Kameraarm zum Hauptakteur, der die greifbare, dreidimensionale Vielfalt des Bodens und der Realität zu zweidimensionalen Bildern abflacht und dabei die Wahrnehmung der Umgebung prägt.
Ausstellungsaufbau
Für den Ausstellungsaufbau entwickelte ich ein Setting, das die vom Silicon Valley geförderten Machtungleichgewichte architektonisch repräsentiert. Als Hommage an die Tech-Hauptquartiere mit ihren glatten, reflektierenden Fassaden gestaltete ich gemeinsam mit anderen ein maßgefertigtes Wandelement, das die Eigenschaften eines einseitigen Spiegels und Polarisationsfilters vereint und eine harte Trennung zwischen außen und innen schafft.

Beim Betreten der Installation schirmen die verspiegelten Elemente zunächst den Blick der Besucher*innen auf den Hauptbildschirm und das Innere des Ausstellungsraums ab. Die drei Bildschirme vor der Wand – selbst vom Betrachter abgewandt – werden direkt auf der Spiegelfassade reflektiert. Die helle Reflexion der Monitore verspricht auf den ersten Blick zusätzliche visuelle Information, doch schnell wird man von der Erkenntnis desillusioniert, dass die Bildschirme lediglich ein helles weißes Leuchten ausstrahlen.
Im Inneren verwandelt sich die 2,5 mal 3 Meter große Glaswand vom Spiegel zum Fenster und offenbart, was die Bildschirme zeigen. Die visuellen Darstellungen werden entblößt, und alle Screens gewähren den Betrachter*innen Einblicke in die heikle Realität unserer Informationstechnologien. Dieses Setup legt die komplexe Beziehung zwischen Unternehmen, ihren Nutzer*innen und den natürlichen Ressourcen offen, auf die sie angewiesen sind. Aus dem Zusammenspiel von Spiegeln und polarisierten Bildern entsteht ein Dialog, der egalitäre Ideale meidet und uns mit der Realität hochgefilterter und orchestrierter Informationsflüsse konfrontiert, wie sie in Online- und Offline-Interaktionen mit digitalen Technologien und den weiteren Systemen präsent sind, die sie konstituieren und ermöglichen.
Maßgefertigte Mediensteuerung
Der Erfolg der 3-Kanal-Installation hängt von der simultanen Wiedergabe dreier Videostreams ab. Um maximale Genauigkeit zu erreichen, entwickelte ich eine maßgefertigte Medienlösung mit einem Synchronisationsskript, das kontinuierlich die Timecodes der drei Player über GPIO-Signale überwacht und abgleicht.
Passend zur reduzierten und utilitaristischen Ästhetik der übrigen Ausstellung gestalteten wir eine maßgefertigte Medienbox, die sowohl die rechnerischen Komponenten beherbergt als auch Raum für die grundlegenden technischen Anforderungen der drei Bildschirme bietet: eine Stromquelle und ein HDMI-Signal. Einmal mehr verbirgt sich technologische Komplexität hinter einer glatten, undurchdringlichen Maske und verleiht dem Werk die magische Illusion der Einfachheit, die so oft in den Ansprüchen und Produkten des Silicon Valley appropriiert wird.

Credits
Triennale di Milano 2025, Österreichischer Pavillon, beauftragt vom Museum für angewandte Kunst Wien (MAK), kuratiert von Marlies Wirth. Projektleitung: Felix Lenz. Set-Produktion und -Design in enger Zusammenarbeit mit Miriam Daxl und Selma Mühlbauer. In Zusammenarbeit mit Wunderwerk.